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Die Jury hat Autorin Laura Tirandaz und Übersetzer Uli Menke zu Preisträgern gekürt, der Publikumspreis geht an »Der Vorgang (Le processus)«.

Mit Bekanntgabe der Primeurs-Preisträger*innen und der Preisverleihung ist am späten Samstagabend das 15. Festival Primeurs zu Ende gegangen: Sechs brandaktuelle Stücke aus der frankophonen Theaterwelt gab es vom 17.–20. November 2021 dies- und jenseits der deutsch-französischen Grenze zu entdecken. Erstmals in der 15-jährigen Geschichte des Festivals wurden sämtliche Wettbewerbsstücke zweisprachig präsentiert: Im Le Carreau – Scène nationale de Forbach et de l'Est mosellan konnte das Publikum drei Stücke, darunter Gastspiele der Straßburger Kompanie Epik Hotel und des Theaters Stok Zürich, auf Französisch mit deutschen Übertiteln verfolgen – und im Funkhaus Halberg (Studio Eins) des Saarländischen Rundfunks das Live-Hörspiel von SR 2 KulturRadio auf Deutsch mit französischen Übertiteln erleben. In der Alten Feuerwache wurde sogar live vor Ort gedolmetscht: Per »Knopf im Ohr« konnten die Zuschauer*innen den szenischen Lesungen, vom Berliner Künstlerensemble Label Noir bzw. dem Schauspielensemble des Saarländischen Staatstheaters auf die Bühne gebracht, zusätzlich in französischer Simultanübersetzung lauschen.    

Ausschließlich mit Fokus auf den Text, unabhängig von der szenischen Umsetzung, kürte die Fachjury – bestehend aus Dr. Yvonne Griesel (Übersetzerin, Übertitlerin, Dolmetscherin und Moderatorin), Andreas Jandl (Übersetzer, Preisträger des Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreises) und Dr. Gerda Poschmann-Reichenau (Übersetzerin und Dramaturgin) – eine Autorin und einen Übersetzer zu den Preisträgern des 15. Primeurs-Festivals:

Der mit 3.000 € dotierte Autor*innenpreis geht an die französische Dramatikerin Laura Tirandaz, deren Theatertext Lichter der Nacht (Feu la Nuit) auf ganzer Linie überzeugte. Komplex wie das Leben präsentiere sich das bildreiche und phantasievolle Stück, argumentierte die Jury und lobte die Vielschichtigkeit, die durch lyrische und surreale Passagen, durch literarische Mittel wie innere und äußere Dialoge erlebbar würde. Mit kleinen Geschichten, »die reich an Bildern, Stimmfarben und Registern sind, führt Laura Tirandaz uns mühelos hin zu großen Themen wie Freundschaft, Verlust und Trauer, und lässt aus der Fülle von Figuren, Situationen und Szenen ein packendes Ganzes entstehen.«

Über den mit 1.000 € dotierte Übersetzer*innenpreis darf sich in diesem Jahr Uli Menke freuen: Dorothée Zumsteins Text »Meeting Point (Heim)« stelle durch seine »historische Tiefe« eine besondere Herausforderung für die Übersetzung dar, so die Begründung der Jury. Menke übersetze rhythmisch und bühnentauglich literarisch, ohne dabei die Glaubwürdigkeit der Personen zu schmälern: »Die Übersetzung zeichnet sich durch ein reiches Vokabular aus, das klar und akkurat Dialoge und Szenen aus einem Guss entstehen lässt.«

Autor*innen- wie Übersetzer*innenpreis werden gestiftet vom Saarländischen Staatstheater, den Freunden des Saarländischen Staatstheaters und dem Saarländischen Rundfunk.

Und welcher Text kam beim Publikum am besten an? Mit ihrem Stück über eine junge Frau, deren Welt durch eine ungewollte Schwangerschaft von einem Tag auf den anderen aus den Fugen gerät, traf Autorin Catherine Verlaguet den Nerv der Festivalbesucher*innen – und die packende schauspielerische Umsetzung von Laura Sophia BeckeR ebenso: Der undotierte Publikumspreis geht an »Der Vorgang (Le Processus)« (Übersetzung: Uli Menke, Szenische Einrichtung: Johanny Bert).

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Primeurs - Festival für frankophone Gegenwartsdramatik 17.-20.11.2021 Prix Primeurs Übersetzung: Uli Menke | Prix Primeurs Autor*innen: Laura Tirandaz