#  | Saarländisches Staatstheater

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Wir freuen uns, bekanntgeben zu dürfen: Die diesjährigen Preise des Festival Primeurs gehen an Alexandra Badea für ihr Theaterstück »Aus dem Schatten: Thiaroye« und die Übersetzerin Sonja Finck für ihre Übertragung des Stückes »Stacheldraht« von Annick Lefebvre. Den Publikumspreis erhält das Stück »Die lieben Eltern« des Geschwisterpaares Armelle & Emmanuel Patron.

Nach vier Tagen Festival mit einem Gastspiel, einem Live-Hörspiel, 4 szenischen Lesungen, 6 Publikumsgesprächen, einer Diskussionsrunde mit Autor*innen, Übersetzer*innen und Publikum, einem Übersetzungsworkshop, einer Beaujolais-Verkostung – kurz: vielen Stunden deutsch-französischen Kulturaustausches – und drei frisch überreichten Blumensträußen, zieht Bettina Schuster-Gäb, Dramaturgin und Festivalverantwortliche am Saarländischen Staatstheater ein durchweg positives Fazit: »Es war ein Festival, das ein großes Spektrum an Stücken gezeigt hat, vom Monolog zum Sieben-Personen-Stück, von der Komödie bis zur Auseinandersetzung mit kollektiven Traumata, die mittels Dramatik ein Gespräch in Gang setzen will. Und das hat das Festival innerhalb des Publikums geschafft. Wir hatten zwei ausverkaufte Abende und zwei fast ausverkaufte Abende. Wir haben ein sehr interessiertes Publikum angetroffen, und das Festival hat mir gezeigt, dass ein Theaterpublikum Auseinandersetzung will, und dass das amüsant sein kann, aber auch schwere Kost sein darf.«

Vier Tage lang, vom 16.-19. November 2022, feierten insgesamt rund 1000 Zuschauer*innen gemeinsam mit dem Saarländischen Staatstheater, Le Carreau – Scène nationale de Forbach et de l`Est Mosellan, SR2 Kulturradio und dem Institut d‘Études Françaises die frankophone Gegenwartsdramatik und ihre deutschen Übersetzer*innen! Krönender Abschluss war auch in diesem Jahr die Vergabe der PRIX PRIMEURS!

Seit 2008 stiften der Saarländische Rundfunk und das Saarländische Staatstheater mit der Unterstützung der Freunde des Saarländischen Staatstheaters einen Autor*innenpreis in Höhe von 3.000 Euro. 2017 kam ein Übersetzer*innenpreis in Höhe von 1.000 Euro dazu. Beide Preise werden durch eine Fachjury vergeben, diesmal bestehend aus Dr. Yvonne Griesel (Übersetzerin, Übertitlerin, Dolmetscherin und Moderatorin), Andreas Jandl (Übersetzer, Preisträger des Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreises), Dr. Gerda Poschmann-Reichenau (Übersetzerin und Dramaturgin) und Alice Buddeberg (Regisseurin).

Den Autor*innenpreis sprach die Jury Alexandra Badea für ihr Stück Thiaroye, den ersten Teil ihrer Trilogie Aus dem Schatten zu. Das »dramaturgisch kunstvoll« gebaute Stück, so die Jury, erzählt von einem durch französische Kolonialtruppen im 2. Weltkrieg verübten Massaker an einer Gruppe von Senegalschützen. Aus der Jurybegründung: »Die Autorin Alexandra Badea schöpft die Möglichkeiten des Theaters auf brillante Weise aus. In seiner puzzle-artigen Komposition vermittelt Thiaroye den großen historischen Stoff anhand von fünf Figuren und bietet durch die Parallelführung mehrerer Zeitschienen zahlreiche inszenatorische Möglichkeiten. Sparsame Dialoge und kraftvolle Monologe, die ein großer Spannungsbogen verbindet, machen sowohl die geschichtlich-politischen Zusammenhänge als auch die Schicksale Einzelner erfahrbar.«

Den Preis für die gelungenste Übersetzung erhält Sonja Finck – einer breiteren Leser*innenschaft bekannt als deutsche Übersetzerin des Werks der Nobelpreisträgerin Annie Ernaux – für ihre Übertragung des Stückes Stacheldraht (Les barbelés) von Annick Lefebvre. Lefebvre hat für ihre genderfluide Figur, die wir in Echtzeit durch die letzte Stunde ihres Lebens und zugleich einen scharfsichtig bilanzierenden Monolog begleiten, »eine reiche, rhythmisierte, aus Konzept- und Umgangssprache verschmolzene Kunstsprache« gefunden. »Soja Finck vermag es, Lefebvres Musikalität und Rhythmik aufzugreifen und in einem ebenso kunstvoll gestalteten wie gut sprechbaren Deutsch wiederzugeben. Sie löst sich dabei vollständig von der Vorlage, findet ganz eigene Wendungen und Bilder, jedoch ohne ihre übersetzerischen Ideen über das Original zu stellen.«

Und auch das Publikum hat wieder seinen Favoriten gewählt: Die lieben Eltern (Les chers parents) des schreibenden Geschwisterpaares Armelle & Emmanuel Patron, eine in Paris bereits gefeierte Komödie mit Tiefgang, die am Beispiel einer vom Lottogewinn heimgesuchten Familie nach der Verantwortung fragt, die Reichtum mit sich bringt. In der Alten Feuerwache als szenische Lesung eingerichtet hatte das Stück die junge Regisseurin Lucia Reichard.

 

 

 

 

 

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