13. Festival Primeurs: Preise vergeben

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Marine Bachelot Nguyen, Christian Driesen, Franziska Baur und Milena Mönch sind Preisträger 2019

Mit der Preisverleihung und einer musikalischen Liebeserklärung der JoJo-Achims an Frankreich ist am Samstagabend das 13. Festival Primeurs in Saarbrücken zu Ende gegangen: Übersetzer- und Autorenpreis wurden in diesem Jahr erstmalig unabhängig voneinander durch eine Fachjury – Christa Hohmann vom Berliner Verlag Felix Bloch Erben, Anne Legill von den Théâtres de la Ville de Luxembourg und Prof. Dr. Patricia Oster-Stierle von der Universität des Saarlandes – vergeben.

Den mit 3.000 € dotierten Autor*innenpreis erhielt Marine Bachelot Nguyen für ihr Stück »Le Fils (Der Sohn)«. Die Jury begründete ihre Wahl mit der gesellschaftliche Relevanz des Textes sowie die Erzählperspektive aus dem weiblichen Blickwinkel. »Le Fils« behandelt das Wiedererstarken des Katholizismus in Frankreich und den Einfluss rechtsradikaler Kreise, geschildert aus der Sicht einer Mutter mit zwei Söhnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Während einer in die rechtsextreme Szene rutscht, muss der andere seine Homosexualität vor ihr verstecken …

Der Übersetzer*innenpreis wurde in diesem Jahr gleich zweimal vergeben: Der »Verein der Freunde des Saarländischen Staatstheaters e. V.«, vertreten durch Rolf Petzold, zeigte sich angesichts der zahlreichen gelungenen Übersetzungen so begeistert, dass er das ausgelobte Preisgeld spontan verdoppelte: Und so können sich sowohl Christian Driesen (»Steve Jobs«) als auch Franziska Baur (»Elise - ein ganzes Feld an Möglichkeiten«) über jeweils 1.000 € freuen.

Und auch das Festivalpublikum durfte am Ende über sein Lieblingsstück abstimmen: Der undotierte Publikumspreis ging an Autorin Marine Bachelot Nguyen und Regisseurin Milena Mönch für »Le Fils (Der Sohn)«.

 

Zu den Preisträger*innen

Marine Bachelot Nguyen (Primeurs-Autor*innenpreis 2019, Primeurs-Publikumspreis 2019)
Marine Bachelot Nguyen, *1978, ist Autorin und Regisseurin. 2004 gründet sie mit fünf anderen Autor*innen in Rennes »Lumière d'août«, Theatercompagnie und Autorenkollektiv. In ihrer Arbeit untersucht sie die Wechselbeziehungen zwischen Fiktion und Dokumentation und zwischen Individuum und Politik oder feministische und postkoloniale Stoffe. Stücke und Inszenierungen: »Courtes pièces politiques« (2006), »Artemisia vulgaris« (2008), »Histoires de femmes et de lessives« (2009), »La femme ce continent noir...« (2010), »À la racine« (2011), »La place du chien«  (2014) und »Les ombres et les lèvres« (Viêtnam LGBT) am Théâtre National de Bretagne« (2016). Während eines Aufenthaltsstipendiums in Saigon 2018 entstand »Circulations Capitales«,2019 in Redon (Bretagne) am MC2 Grenoble aufgeführt. Für »Der Sohn« erhielt sie den Sony Labou Tansi-Preis 2019.

Franziska Baur (Primeurs-Übersetzer*innenpreis 2019)
Franziska Baur *1993, Abitur in Nairobi. Studium in Konstanz, Lyon und Paris. Dramaturgieassistentin am Schauspiel Stuttgart. 2018 Teilnahme bei der Übersetzerwerkstatt »Theater Transfer« im Rahmen des Festival Primeurs und Simultanübersetzerin in Frank Castorfs »Ein grüner Junge«. Momentan Master-Studium an der EHESS mit Schwerpunkt Lyrik-Übersetzung. Parallele Zusammenarbeit mit dem Collectif Aubervilliers, Tiphaine Raffier sowie literarische Übersetzungen aus dem Französischen.

Christian Driesen (Primeurs-Übersetzer*innenpreis 2019)
Christian Driesen, *1977, ist Philosoph und Übersetzer. 2016 erschien seine »Theorie der Kritzelei«. Er überträgt vor allem Theorie und Philosophie, bisweilen Literatur und Dramatik aus dem Französischen. Zur Zeit übersetzt er Antonin Artauds Spätwerk »Suppôts et suppliciations« sowie Félix Guattaris »Cartographies schizoanalytiques«. An der Übersetzung von »Steve Jobs« arbeitete er in der Übersetzerwerkstatt »Theater Transfer« im Rahmen von Primeurs 2017.

Milena Mönch (Primeurs-Publikumspreis 2019)
Die Regisseurin Milena Mönch, im Rheinland geboren und in Brüssel aufgewachsen, studierte von 2015 bis 2019 Regie am Mozarteum Salzburg. Auslandsaufenthalte führten sie nach Beijing, London und Brüssel. Während ihres Studiums entstanden zahlreiche Arbeiten, die im KunstQuartier in Salzburg sowie im FFT – Forum Freies Theater in Düsseldorf gezeigt wurden, u.a. »Schutzflehende« nach Aischylos, »Die Gewehre der Frau Carrar« von Bert Brecht und »Drei Schwestern« von Anton Čechov. Letzteres war beim Körber Studio Junge Regie 2019 in der Endauswahl der Jury und erhielt dort den Publikumspreis.

 


Preisträger des 13. Festival Primeurs: Christian Driesen, Franziska Baur, Marine Bachelot Nguyen | Foto:©Astrid Karger
Preisträger des 13. Festival Primeurs: Christian Driesen, Franziska Baur, Marine Bachelot Nguyen | Foto:©Astrid Karger