Kohlhaas – ein Mann für jede Krise

KOHLHAASEREI
Die Folgen der Selbstüberschätzung

 

Der 1. Oktober 1532 ist ein wichtiges Datum für unsere Rechtsgeschichte. An jenem Samstag machte sich der Pferdehändler Hans Kohlhase von Cölln an der Spree auf gen Leipzig, wo er auf der Messe einige seiner Tiere verkaufen wollte. Bei einem Zwischenstopp ließ ihm ein Provinzfürst zwei seiner Pferde abnehmen. Begründung: Kohlhase habe sie gestohlen. Der Pferdehändler versuchte daraufhin vergeblich, seinen Besitz mit juristischen Mitteln wiederzuerlangen. Vergeblich. Seinen Ausweg suchte er dann in der Selbstjustiz. Er brannte Häuser des selbstgerechten Adeligen nieder und landete dafür auf dem Schafott. Mit Heinrich von Kleists Novelle aus dem Jahr 1808 hielt eine bestimmte Rächerfi gur Einzug in die Literatur. Wir kennen sie heute nur zu gut aus dem Hollywood-Genre. Auch hier sind es rechtschaffende »kleine Leute«, die sich von Staat und Justiz im Stich gelassen fühlen. Sie rüsten auf und ziehen in den Krieg gegen arrogante Eliten oder Gangster-Kartelle, die mit der öffentlichen Verwaltung kungeln. Aber so sehr wir mitfühlen können, gruselt es uns auch vor dem Terror der Selbstjustiz. Wann nämlich sollte sich das »gesunde Volksempfinden« gegen »die da oben« wenden? Und wann ist das Rechtssystem die letzte Bastion eines aufgeklärten Miteinanders? Ist bei Kohlhase gar die magische Wirkung des Dunning-Kruger-Effekts zu beobachten, wonach jemand, der die eigenen Fähigkeiten über- und die der anderen unterschätzt, sehr viel sorgloser große Risiken eingehen kann? Wie aktuell der Stoff ist, zeigt unser Verfassungsgerichtspräsident Prof. Andreas Voßkuhle. Einer seiner Lieblingsbegriffe lautet »Kohlhaaserei« – und damit rügt er Wutbürger wie politische Populisten. Der 1. Oktober 1532 ist noch immer ein wichtiges Datum.

 

Seit der Spielzeit 2017/2018 ist Bettina Bruinier Schauspieldirektorin am Saarländischen Staatstheater.

Première


Alte Feuerwache

18.01.2020

Représentation


Alte Feuerwache

Introduction 30 Min avant

Samedi, 18. Jan 2020, 19:30

Vendredi, 24. Jan 2020, 19:30

Samedi, 25. Jan 2020, 19:30

Vendredi, 31. Jan 2020, 19:30

Dimanche, 02. Fév 2020, 18:00

Vendredi, 07. Fév 2020, 19:30

Mercredi, 12. Fév 2020, 19:30

Samedi, 29. Fév 2020, 19:30

Mardi, 03. Mars 2020, 19:30

Jeudi, 19. Mars 2020, 19:30

Vendredi, 27. Mars 2020, 19:30

Distribution


Mise en scène
Décors et costumes
Dramaturgie

Hans Kohlhase
Mechtild / Almuth Fugger
Lisbeth
Christina von Reul
Antonia von Tronka
Ottilie Fugger