Ode

Schauspiel von Thomas Melle

Ode

Schauspiel von Thomas Melle

Friedrich Schiller schreibt: »Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit, und von der Nothwendigkeit der Geister, nicht von der Nothdurft der Materie will sie ihre Vorschrift empfangen.« In Deutschland ist sie inzwischen ein im Grundgesetz verankertes Grundrecht. Denn ja, die Kunst wird angegriffen und arglistig beäugt als politisches Vehikel linksversiffter Meinungsdiktatoren, als staatszersetzend und subversiv, befremdlich und entartet, als abgehoben, weltfremd und elitär, und außerdem als potentiell gefährlich. Draußen patrouilliert längst die »Wehr«, ein Zusammenschluss »verantwortungsvoller« Bürgerinnen und Bürger, die immer lauter Recht und Ordnung fordern: Verständlichkeit und Brauchtum statt Fremdheit und Ambivalenz! Und endlich mal wieder schöne Kostüme!

In Thomas Melles Stück »Ode« stellt sich heraus, dass die hitzige Debatte über hochgestellte Omnibusse auf dem Platz vor der Dresdener Frauenkirche, über das »Denkmal der Schande im Herzen unserer Hauptstadt«, über das, was Kunst sein darf und soll, längst kein Nebenschauplatz mehr ist, sondern Hauptaustragungsort eines hysterisch geführten Kulturkampfes. Die Lager im hitzigen Diskurs über Identität, »kulturelle Aneignung« und das, was noch erlaubt ist im immer dichter werdenden Dschungel der political correctness, driften ständig weiter auseinander: hier der Neo-Biedermeier einer nationalen Rechten – dort der ideologische Moralismus einer neuen Linken. Melle ist ein Spiegel unserer hochnervösen, dauererregten Gesellschaft gelungen, ein böses Sittengemälde unserer Zeit, Dystopie wie Utopie, in der unsere generelle Haltung zur Kunst letztendlich nur Eines offenbart: die zu unseren demokratischen Grundwerten nämlich, und letztendlich auch unsere Haltung zu uns selbst. »Ode« ist eine Ode an die Kunstfreiheit und insofern auch an die Freiheit als solche: »Wir müssen das Leben als Kunst ansehen; die Kunst aber nie, nie, nie als das Leben. Nur so hat Ethik einen Sinn.«

Premiere

01.04.2022, 20:00

Vorverkaufsbeginn:
Samstag 13. November 2021 10 Uhr


sparte4

Représentation

Autres dates à venir.

Distribution


Inszenierung
Bühnenbild und Kostüme
Dramaturgie