Inspiration I LOUIS THÉODORE GOUVY

Stefan Neubert Dirigent, Saarländisches Staatsorchester

 

»Die schwierige Kunst der plastischen Form, das Geheimnis der Schattierungen,
die Vorbereitung der Steigerung, die Feinheiten des Stils, ja die Kunst,
die selbst im Auslassen und Verschweigen sich äußert, alles entgeht dem großen Haufen …«
Théodore Gouvy

 

Geboren 1819 als preußischer Bürger im heutigen
Saarbrücken-Schafbrücke als Sohn einer französischen
Industriellenfamilie und damit heute einer der wichtigsten
Komponisten der Region, bekennender Franzose, jedoch
erst mit 32 Jahren eingebürgert – das Leben Théodore
Gouvys stand im Spannungsfeld Deutschland-Frankreich,
zweier Nationen, die sich seit dem Deutsch-Französischen
Krieg, der 1870 begann, wenig wohlgesonnen gegenüber
standen. Er feierte zu Lebzeiten Erfolge in Paris und Leipzig,
war Mitglied eines Künstlerkreises um César Franck
und Nils Gade in Rom, pfl egte lebhafte Korrespondenz
mit Camille Saint-Saëns, Franz Liszt und Hector Berlioz,
der Gouvys Können ebenso schätzte, wie er seine mangelnde
internationale Bekanntheit schon damals bedauerte:
»Dass ein Musiker vom Rang des Herrn Gouvy noch
so wenig bekannt ist, muss die empören, die noch an den
Verstand und die Gerechtigkeit unserer musikalischen
Sitten glauben.«
Nach seinem Tod in Leipzig 1898 geriet sein Werk, zu
dem sechs Sinfonien, ein Requiem, ein Stabat Mater,
40 Lieder, Kantaten, zwei Opern und verschiedene
Kammermusiken gehören, fast vollständig in Vergessenheit
– vielleicht gerade, weil es französische Grazie und
Eleganz so perfekt mit an deutschen Romantikern wie
Schumann oder Brahms orientierter Farbigkeit und
unangestrengter Originalität verbindet und daher nicht
so recht in eine national geprägte Zeit passte. Dank des
großen Engagements auf beiden Seiten der Grenze
erlebt seine Musik nun eine Renaissance in den Konzertprogrammen
– zu seinem 200. Geburtstag 2019 ganz
besonders!

Termine


Alte Feuerwache


Sonntag, 08. Dez 2019, 18:00