SPARTENSPRECHER KATHRIN RÖGGLA

Ob Prosa, Radiofeatures, Theaterstücke: Mit ihren Texten ist Kathrin Röggla stets dicht dran am Puls der Zeit. Im Oktober ist die Autorin, die für ihr Schaffen bereits mit zahlreichen Literaturpreisen bedacht wurde, nun zu Gast in der sparte4. In der Reihe »Spartensprecher« stellt sie den Recherchestand ihres aktuellen Projektes vor: »Leider kein Fake: Der NSU-Prozess und die deutsche Rechtsprechung«. Kathrin Röggla hat den Prozess Münchner Oberlandesgericht in den letzten anderthalb Jahren intensiv verfolgt, Gesprächen mit Beteiligten, Zuschauern und Aktivisten auf der Empore geführt. Ihr Fazit: »Der NSU-Prozess ist einer der aufwändigsten, am meisten beobachteten und den Rechtsstaat herausfordernden Prozesse der letzten Jahrzehnte, in dem die politische Landschaft der Nachwendezeit offenbar wird. Das Hauptverfahren dauerte über fünf Jahre und zählte 438 Verhandlungstage. Ein Prozess der Superlative, nicht nur was die Kosten anbelangt. Das Urteil mündete in Enttäuschung: Kein Wort an die Angehörigen der Opfer – stattdessen gefeiert als Sieg der rechtsextremen Täter*innen und erstaunlich banal in seiner Wirkung.«
Kann man einen solchen Stoff fürs Theater aufbereiten? Und wenn ja: Was vermag die Kunst hier zu leisten?