BOHNER_CELIS

Es war ein spektakulärer Mordfall, der sich Ende des 16. Jahrhunderts in Rom ereignete: Im September 1598 wurde der als gewalttätig bekannte Francesco Cenci, Abkömmling eines alten römischen Adelsgeschlechts, tot aufgefunden; schnell fiel der Verdacht auf Francescos Kinder und seine zweite Frau. Gestützt auf ein Dekret des Papstes ließ man Beatrice Cenci, ihre Stiefmutter und ihre Brüder foltern, bis sie gestanden, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Am 11. September 1599 wurden die Verurteilten öffentlich hingerichtet. Der damals 34-jährige Gerhard Bohner landete 1971 mit seinem Ballett über diesen Stoff, »Die Folterungen der Beatrice Cenci«, einen sensationellen Erfolg. In der vergangenen Spielzeit hat das Ballett des Saarländischen Staatstheaters das tanzhistorisch bedeutende Werk herausgebracht, nun kehrt es für zwei Vorstellungen zurück auf den Spielplan (und wird zusätzlich im April bei einem Gastspiel in München gezeigt).

Im zweiten Teil dieses »italienischen« Abends brilliert die Kompanie mit Stijn Celis’ »Pulcinella«. Zu Igor Strawinskys mitreißender Musik, entstanden auf der Basis neapolitanischer Notenmanuskripte des 18. Jahrhunderts, evoziert der Ballettdirektor eine heitere 50er-Jahre-Stimmung.