Tschernobyl. Stimmen

Stück mit Tanz nach Monologen von Swetlana Alexijewitsch

Tschernobyl. Stimmen

Stück mit Tanz nach Monologen von Swetlana Alexijewitsch

Über nahezu 20 Jahre interviewte die in der Ukraine geborene und in Weißrussland aufgewachsene Journalistin und Literatin Swetlana Alexijewitsch Menschen in Bezug auf das Reaktorunglück in Tschernobyl. Sie wollte verstehen. Die kolossale Hybris des Menschen durch die schicksalhaften Erlebnisse vieler: Soldaten, Witwen der Liquidatoren, Mütter, Kinder, hochdekorierte Wissenschaftler und Bauern – sie alle führen uns in literarisch bearbeiteten Interviews die ausgelöste Sinnkrise, den Hang des Menschen zu philosophischer Befragung und die nahezu prophetische Kraft der Katastrophe vor Augen. Tschernobyl steht als ein Leuchtturm der neueren Geschichte, ebenso wie Fukushima einer ist, und auch das Coronavirus einer sein wird. Aber ist der Mensch imstande, aus diesen historischen Einschnitten zu lernen, sie zu verstehen und Sorge dafür zu tragen, dass derlei nie wieder geschieht? Oder ist Geschichte dazu verdammt, sich zu wiederholen, und wir, sie immer wieder zu durchlaufen, unfähig, etwas daran zu ändern? Alexijewitsch sieht sich als kathartische Chronistin der Zukunft, die die Vergangenheit betrachtet, um sich von ihr lösen zu können. 2015 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. Die ihr eigene literarische Gattung, der »Roman aus Stimmen«, ist eine Mischung aus Kunstsprache und dokumentarischem Material, das die fiktionale Dimension von Wirklichkeit herauszukehren vermag.

 

Swetlana Alexijewitsch, *1948 in der Ukraine geboren und in Weißrussland aufgewachsen, ist Journalistin und Literatin. Ihre Werke wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2015 mit dem Nobelpreis für Literatur. / Thorsten Köhler (Regisseur) ist seit 2017/18 künstlerischer Leiter der sparte4 und sucht nach berückenden Begegnungen mit Literatur, mit Theater, im Moment. Scheut niemals Zeitgeist nicht. / Edoardo Cino (Choreografie) ist seit 2015 Tänzer im Saarländischen Staatsballett und choreographiert regelmäßig bei Substanz. „Tschernobyl. Stimmen“ begleitete er sensibel mit inhaltlich nah am Stück orientierter Körperarbeit. / Robin Metzer (Bühne & Kostüme), Arbeiten u.a. am Staatstheater Braunschweig und Schauspiel Hannover, am SST zuletzt bei „Bouges les Rouges“. Schafft einen Warteraum, entrückt und präsent zugleich, in dem fragiles Erzählen des fragilen Menschen möglich wird. / Karsten Zinser (Sound), sorgt für dokumentarisches Material auf sonorer Ebene, indem er beispielsweise verfremdend Nachrichten und Rettungseinsätze sampelt und Schauspiel mit Sounddesign vereint. / Grigory Shklyar (Video) arbeitet regelmäßig in der sparte4, zuletzt bei „Spieler und Tod“ und darüber hinaus am Schauspielhaus Graz, dem Theater Rampe Stuttgart und Staatstheater Braunschweig. Hier lässt er das aus den Erinnerungen ausgegrenzte Grauen ein.

Premiere

03.06.2022, 20:00

sparte4
Dauer: 105 Min

Termine

Weitere Termine folgen.

Besetzung


Künstlerische Leitung (Choreographie)
Künstlerische Leitung (Schauspiel-Regie)
Bühnenbild und Kostüme