Alltägliche Spektakel: Infos und Karten
Arbeiten an der Zukunft
Ist uns die Zukunft abhandengekommen? Der Glaube an die Gestaltbarkeit der Welt, an den Fortschritt und die Verbesserung der Lebensverhältnisse? Warum sollten wir uns damit zufriedengeben, dass es nachfolgende Generationen schlechter haben sollen. Es scheint, als müssten wir uns in einen Verteidigungs-Modus begeben, um wenigstens das bereits Erreichte zu erhalten: die Demokratie, den Wohlstand, den Sozialstaat, Menschenund Völkerrecht, Klimaschutz. „Verändere die Welt, sie braucht es“, schrieb der Theatermann Bertolt Brecht. Es ist höchste Zeit, den Glauben an die positive Veränderbarkeit der Welt, des Landes, der Gesellschaft zurückzuerobern. Und Energien freizusetzen, um auf eine andere Zukunft hinzuarbeiten.
Zukünfte der Arbeit
eine andere Welt macht Arbeit. Vielleicht aber eine ganz andere Arbeit. Ein Schwerpunkt der kommenden Spielzeit wird daher die Frage nach der Zukunft der Arbeit sein: Wofür arbeiten? Wie arbeiten? Wie viel arbeiten? Welche Arbeiten sind sinnstiftend? Welche zerstören unseren Planeten oder die arbeitenden Menschen? Und wo wird Arbeit zu einem Hamsterrad, das sich nur sinnlos um sich selbst dreht? Wir wollen Zukunfts-Phantasien freisetzen und über Zukünfte diskutieren, für die es sich lohnt, lustvoll und sorgenfrei zu arbeiten. Mit Spiellust, Witz und Leidenschaft. Auf der Bühne und in unserem Begleitprogramm. Dafür stiften wir Kooperationen und Zusammenarbeit mit Organisationen und Institutionen wie der Arbeitskammer des Saarlandes (mehr dazu auf S. 161) und laden inspirierende Gesprächspartner*innen ein.
Anders arbeiten im Atelier
Und wir arbeiten selbst an der Zukunft der künstlerischen Zusammenarbeit im Theater. In der letzten Spielzeit haben wir mit dem Modell des „Writers‘ Room“ für die Produktion Blutschwester experimentiert. Regisseurin Franziska Stuhr und ihr Team haben dafür mit der vielfach preisgekrönten Autorin Maria Milisavljević über mehrere Monate hinweg eng zusammengearbeitet und eine gemeinsame Erzählung aus Text, Raum, Kostüm und Spiel geschaffen. Eine an Theatern noch wenig erprobte Arbeitsweise, die zu einem beeindruckenden Ergebnis geführt hat. Auf den Erfahrungen mit diesem Arbeitsmodell bauen wir auf. Wir entwickeln es weiter und geben ihm den neuen Namen „Atelier“. Gleich zu Spielzeitstart wird ein Team mit der Autorin Paula Kläy und der Regisseurin Rosa Rieck gemeinsam mit der Dramaturgie des Staatstheaters das recherchebasierte Projekt Alltägliche Spektakel in der Alten Feuerwache präsentieren (S. 44). Zudem entstehen Wir steigern das Bruttosozzoprozzo (S. 60) sowie Heinze und die Frauen (S. 67) mit einem Atelier-Modell und werden im Großen Haus zur Uraufführung kommen. Diese Form der Zusammenarbeit unter Einbeziehung von Autor*innen ist unserer Meinung nach zukunftsweisend. Weil sie besondere Kunstwerke, die eng an unsere Gegenwart anknüpfen und im Saarland für das Saarland, entstehen lässt.
Mehr Phantasie!
Im Theater können wir Zukünfte ausprobieren und gesellschaftliche Phantasien in Bewegung setzen. Theater hat die Lizenz zum Träumen und zum Spinnen. Wir können uns über Wünsche und gesellschaftliche Ziele austauschen, Zukunfts- Phantasien mit unseren Geschichten erwecken und üben, gemeinsame Utopien zu denken – anstatt Ellenbogen, Egoismus, Menschenfeindlichkeit, Nationalismus und Krieg die Zukunft zu überlassen. Zukunft ist kein Verhängnis, das auf uns zukommt. Sie ist das, was wir alle gemeinsam daraus machen.
Dr. Ulf Schmidt Chefdramaturg und Chefautor

