Spannende Geschichten, brennende Fragen

|  Spielplan

Das Schauspielprogramm 2019/2020

Das Schauspiel des Saarländischen Staatstheaters und die sparte4 haben ihre Stücke in der Spielzeit 2019/20 unter das Motto »Macht, Ohnmacht und Empowerment« gestellt. »Egal, ob Klassiker der Weltliteratur oder zeitgenössische Werke -  Macht, Ohnmacht sind die zentralen, gesellschaftlichen Themen, die nie an Aktualität verlieren, solange es Menschen gibt. Das ist der Stoff von unendlich spannenden Geschichten und Fragestellungen«, erklärt Chefdramaturg Horst Busch. Insgesamt sind in der neuen Spielzeit des Schauspiels 14 Stücke zu sehen, darunter sind vier Uraufführungen und eine Deutsche Erstaufführung.

So eröffnet das Saarländische Staatstheater  (Samstag, 7. September 2019) in der Alten Feuerwache die Spielzeit mit dem bewegenden Schauspiel »Hoffnung« als Deutsche Erstaufführung.  Das Stück nach der preisgekrönten Trilogie »Habgier, Angst & Hoffnung« von Stijn Devillé befasst sich mit der Zukunft unserer Welt. Sie beleuchtet die Zeit nach der großen Finanzkrise bis heute, erklärt Abhängigkeiten, Motive, Werdegänge und Zusammenhänge.  Devillé macht Druck und Mut. »Seine Trilogie hat das Potenzial, die Menschen ähnlich aufzurütteln wie die Schülerbewegung »Fridays for Future«.  Er analysiert ironisch und mit Leichtigkeit Zusammenhänge, die sprachlos machen. Diese Geschichte bringt neue Sichtweisen, das Publikum ist an den handelnden Personen ganz nah dran«, schwärmt Schauspieldirektorin Bettina Bruinier.  

»Weh Dem, der aus der Reihe tanzt. Sulzbach«, heißt der zweite Teil der Saarland-Saga (Freitag, 13. September 2019 in der sparte4) Die Uraufführung nach dem Roman des gebürtigen Sulzbachers Ludwig Harig  ist ein Regionalprojekt mit Geschichten, Erinnerungen und Erzählungen von Saarländern. Auf der Grundlage von Ludwig Harigs Roman entwirft Schauspieldirektorin Bettina Bruinier eine saarländische Collage aus Zeitzeugenberichten, historischem Material und Spielszenen, die die späten 20er Jahre, die Zeit des Dritten Reiches und die Nachkriegsära  spiegelt. Eine weitere  Uraufführung in der kommenden Spielzeit ist die »Bewegung Kohlhaas« (Samstag, 18 Januar 2020, Alte Feuerwache) mit spannenden Fragen um Selbstjustiz, Rechtfertigung und Gerechtigkeit. Der Schweizer Autor, Dramaturg und Regisseur Marcel Luxinger schreibt das Stück exklusiv für das Saarländische Staatstheater.      

Drei Klassiker stehen auf dem Spielplan des Schauspiels: Das packende Drama »Hexenjagd« von Arthur Miller (Samstag, 14. September 2019, Großes Haus) zeigt, wie Gerüchte und Vorurteile eine Gesellschaft infizieren und zerstören. Heute könnte man sagen: Was fake news anrichten! »Frühlings Erwachen« nach Frank Wedekind stellt die  Moral und das Erwachsenwerden  (Freitag, 8. November 2019)  in den Mittelpunkt, und »Nora« von Henrik Ibsen (Samstag, 4. April 2020, Alte Feuerwache) beschreibt die Abhängigkeit von Frauen in einer männerdominierten Welt und erzählt vom Ausbruch aus Zwängen.

Das Familienstück  ist die »Kleine Meerjungfrau«  nach Hans Christian Andersen (Sonntag, 10. November 2019, Großes Haus). Sie tummelt sich in einer farbenfrohen, fantasievollen Unter- und Überwasserwelt mit viel Musik. Ein großer Spaß für die ganze Familie!

Mit »Amadeus« (Freitag, 7. Februar, 2020 Großes Haus)  wird das Leben eines Genies auf die Bühne gebracht, das Publikum entdeckt Wolfgang Amadeus Mozart neu. Regisseur Michael Schachermaier erzählt das Leben eines Superstars nach dem Schauspiel von Peter Shaffer mit Musik.     

Schauspieldirektorin Bettina Bruinier wird den Kinoerfolg »Der große Gatsby« (Freitag 17. April 2020, Großes Haus) um Schein und Gier  nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald   mit großer Ausstattung und viel Musik in Saarbrücken aufführen und  dabei auch die Gegensätze von Pracht und Elend zeigen. Passend zum Schein und Glanz und Gloria werden in dem Lustspiel von Eugène Labiche »Trüffel Trüffel Trüffel« serviert (Samstag, 6.Juni 2020, Alte Feuerwache). Wenn Kleinbürger hochstapeln … gibt es kein Halten mehr.  

In der sparte4, der kleinsten Bühne des Saarländischen Staatstheaters, zeigt das Leitungsteam Thorsten Köhler und Luca Pauer neben der Saarland-Saga vier Stücke zum Thema Macht und Ohnmacht.  So erzählt die rabenschwarze  Komödie um eine Hauptdarstellerin in einer  TV- Seifenoper »Ada und ihre Töchter« von Noah Haidle (Donnerstag, 31. Oktober 2019) von Menschen auf verlorenem Posten,  bei denen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Das Schauspiel »1 Yottabyte Leben« ist eine Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Saar (Freitag 17. Januar 2020).

Die junge Autorin Olivia Wenzel schrieb das Stück der Generation Instagram auf den digitalen Leib. »Social Media, Influencing, Likes und Follower, aber auch Trolling, unverhohlener Rassismus und Terrorismus sind die Stichworte. Brandaktuell, böse, klug und brüllend komisch«, findet Thorsten Köhler. Das Bürgerprojekt »Schinderei. Wer die Wahrheit sagt, wird gehängt« (Freitag, 3. April, 2020) heißt die Inszenierung der gesteuerten Bestimmer*innen nach der Flugschrift von Georg Büchner mit dem Leitsatz  »Friede den Hütten, Krieg den Palästen! « »Theater kann eine Menge bewirken und fordert jeden Einzelnen von uns heraus, sich zu beteiligen«, sagt Luca Pauer, Leitung Junges Theater und sparte4. 2017 waren bereits 170 Saarländer*innen an Bürgerprojekten des ensemble4 beteiligt.

In Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main wird das Schauspiel »Das Knurren der Milchstrasse« von Bonn Park (Freitag, 5. Juni 2020) gezeigt. Ein wunderbar frecher Theaterabend für alle, die bereit sind, sich der Überforderung der Welt zu stellen.

Die Schauspieler Michael Wischniowski und Thorsten Rodenberg in der Nähe des Kraftwerks an der Römerbrücke