Sprachwitz und schaupielerische Kraft

|  Spielplan

VORSTELLUNGSAUSFALL am Freitag, 27. Oktober 2017

 

 

Alte Feuerwache, 19:30 Uhr, der Bühnendonner rollt. Die Frisuren der Schauspieler sitzen. Frisuren? Wahre Kunstwerke sind es, die sich da toupiert, geflochten oder langbärtig wallend an Köpfe und Körper der Darsteller schmiegen. Spartanisch dagegen das Bühnenoutfit: Strumpfhosen, hautfarbene Shorts und Tops – man kennt das ja: Ein Kleiderschrank voller Klamotten und trotzdem nichts zum Anziehen. Also schnell hinein ins Shoppingvergnügen …

Mit virtuosem Sprachwitz spiegelt Elfriede Jelinek, die in Kürze für ihr Lebenswerk mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet wird, in ihrem Text »Das Licht im Kasten« den Fashion-Wahn als Phänomen des westlichen Wohlstands. »Einen vorhandenen Text so kürzen, dass die skurrilen und humoristischen Elemente in den Vordergrund treten – das hatte sich Matthias Rippert mit dieser Inszenierung vorgenommen. Zum Teil klappt das auch – es gibt viele komische Momente«, so Michael Schneider vom SR2-Kulturradio in seiner Premierenkritik. »Es ist ein wonniger Abend der in Unterwäsche und Nylon leicht bekleideten Schauspieler; fünf von sechs sind frisch in Saarbrücken, und es ist eine Freude, ihnen zuzuschauen«, so Tobias Kessler von der Saarbrücker Zeitung.

Doch Jelineks Schauspiel ist weit mehr als Klamotte, als bloßer Klamauk. »Rippert inszeniert (…) die Welt der Mode in ihrer Faszination, Absurdität und Brutalität«, so Saartext-Redakteurin Lisa Betzholz. »Schwere Kost dagegen sind die philosophischen Passagen. Das neue Ensemble überzeugt mit schauspielerischer Kraft«, so das Fazit ihres Premierenberichts.

Acht Vorstellungen stehen bis Mitte Januar noch auf dem Spielplan der Alten Feuerwache.

 

 

Martina Struppek,Philipp Weigand, Raimund Widra, Marcel Bausch