Gier | Sonne
Wer bin ich, wer spricht da? In Sarah Kanes Theaterstück Gier begegnen uns vier Stimmen. Ihre Namen sind im Text nur mit Buch staben gekennzeichnet: Sprechen sie miteinander? Haben sie eine gemeinsame Geschichte? Was verbindet sie? Beim Zu-hören entspinnt sich ein feines Netz von Querverbindungen und Bezügen. Spuren einer großen Verletzung scheinen auf, familiäre Vermeidungsstrategien mit Geschehenem umzugehen, eine große Enttäuschung, aber auch die überwältigende Sehnsucht nach Liebe, nach Geborgenheit, die es so nie gab. Und am Ende ist da der Wunsch, sich zu befreien, sich aus allen Fesseln zu lösen und ganz Licht zu werden.
Auftritt der Sonne. In Elfriede Jelineks Textfläche ist der Stern ein humorvolles Wesen, das sich über die Dummheit der Menschheit lustig macht. Als Inbegriff des reinen Lichts, nach dem sich die Stimmen in Sarah Kanes Gier so sehr gesehnt haben, stimmt sie einen sarkastischen Abgesang auf die Menschheit an, die gerade ihren natürlichen Lebensraum Erde, und damit sich selbst, zerstört. Doch auch wenn es das Letzte ist, was sie tut: Sie will davon erzählen! Zwei der größten Dramati-kerinnen überhaupt: an einem Abend in der Alten Feuerwache.